Christian Brünger

Christian Brünger

Selbstbewusstsein stärken: Erfahrungen und Fehler, die voran führen

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1. Selbst-Respekt und Zufriedenheit sind die Basis für gesundes Selbstbewusstsein

2. Bewusstsein um Fähigkeiten und Grenzen

2.1. Ehrliche Selbstwahrnehmung

2.2. Referenzerfahrungen sammeln

2.2.1. Selbstbewusstsein vs. Selbstvertrauen

2.2.2. Fehlerfreundlichkeit

2.2.2.1. Was Fehler eigentlich sind: neue Informationen

2.2.2.2. Was tun wir, wenn wir einen Fehler begangen haben?

2.2.3. Leichtherzige Experimente: Versuch & Irrtum

2.3. Warum lege ich so viel Wert auf diese Art von Machen, Ausprobieren und Überprüfen?

3. Zusammenfassung

  1. Selbst-Respekt und Zufriedenheit sind die Basis für gesundes Selbstbewusstsein

Selbstbewusstsein beinhaltet: 

  • Selbst-Respekt + Zufriedenheit = Akzeptanz – Verantwortung übernehmen – Innere Wertschätzung – Proaktivität
  • Wissen um eigene Fähigkeiten und Grenzen und darum, dass wir uns entwickeln können
  1. Bewusstsein um Fähigkeiten und Grenzen

2.1. Ehrliche Selbstwahrnehmung

Gesundes Selbstbewusstsein ist die Konsequenz einer entwickelten, ehrlichen und kontinuierlichen Selbstwahrnehmung. Aus dieser folgt, sich-seiner-selbst-bewusst-zu-sein. Es ist ein grundlegendes Verständnis davon, wo unsere Fähigkeiten und Stärken zum gegenwärtigen Zeitpunkt beginnen und enden.

Selbstbewusstsein, dass nicht auf ehrlicher Selbstwahrnehmung, gemeisterten Herausforderungen und erfolgreichem Scheitern beruht, ist oft nicht mehr, als naives Anspruchsdenken. Anspruchsdenken ist die Diskrepanz zwischen dem, was ich meine zu verdienen und dem, was ich dafür getan habe oder bereit bin zu tun. 

Selbstbewusstsein zeigt sich auch darin, wie du fühlst und von dir denkst:

Überlegenheit: 

  • Du fühlst dich meistens wie die wichtigste Person im Raum
  • Du hast eine überhöhte Meinung von deinem Wert oder deinen Fähigkeiten
  • Gekennzeichnet durch eine herablassende Art oder Einstellung 

Unterlegenheit:

  • Du fühlst dich meistens wie die unwichtigste Person im Raum
  • Du hast das Gefühl, tatsächlich oder eingebildet, niedriger im Status zu sein als andere
  • Gekennzeichnet durch einen fortgeschrittenen Zustand von Selbst-Entmutigung und Selbst-Entmündigung: die eigene Verantwortung wird abgelegt, was sich in einer reaktiven Sprache und Haltung mitteilt

Dazwischen liegt so etwas wie Innerlichkeit:

  • Der Zustand, eine voll integrierte, originelle Version deiner selbst zu sein
  • Du bist immun gegenüber Vergleichen mit anderen, gegenüber Vorstellungen von Grandeur oder Bedeutungslosigkeit, denn du würdigst deine eigene Einzigartigkeit genauso wie die von anderen

Es ist das Selbstbewusstsein eines ausgeglichenen Ego’s: niemand ist besser als du. Aber du bist nicht besser als irgendwer anders.

2.2. Referenzerfahrungen sammeln

2.2.1. Selbstbewusstsein vs. Selbstvertrauen

Die Begriffe Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen werden in der Literatur oft uneinheitlich verwendet. In meiner Anschauung ist Selbstbewusstsein im Gegensatz zum Selbstvertrauen keine Vertrauenssache, sondern Erfahrungssache.

Wenn wir auf ein Motorrad steigen, möchten wir dann gesundes Selbstbewusstsein auf Basis unserer Erfahrungen, sprich Fahrtrainings? Oder möchten wir Selbstvertrauen: dass schon alles gut gehen wird, weil Mutter immer gesagt hat, dass ich alles schaffen kann was ich will, wenn ich nur fest daran glaube?

Zu einem gesunden Selbstbewusstsein auf Basis ehrlicher Selbstwahrnehmung und der Auswertung gemachter Erfahrungen zu gelangen, setzt natürlich voraus, dass wir überhaupt relevante und wertvolle Erfahrungen sammeln – sogenannte Referenzerfahrungen. Vorbedingung dazu ist wiederum die Bereitschaft, um unserer eigenen Interessen und Entwicklung willen Risiken einzugehen und Fehler zu machen. 

2.2.2. Fehlerfreundlichkeit

Selbstbewusstsein ist Erfahrungssache – nämlich, dass ich Herausforderungen meistern und Niederlagen verkraften kann. Oft aber entwickeln und erweitern wir dieses Selbstbewusstsein nicht, weil wir nicht die entsprechenden Erfahrungen sammeln, aus denen wir lernen. Wir machen nicht die nötigen Referenzerfahrungen. Das liegt nicht zuletzt an unserer Angst, uns über das hinauszuwagen, was uns vertraut ist und Fehler zu riskieren. Dabei haben wir häufig eine Regel, einen Glaubenssatz verinnerlicht: „Ich darf keine Fehler machen.“ oder „Ich muss perfekt sein (allen gefallen)“. 

In den meisten Fällen sind die Konsequenzen eines Fehlers überschaubar und kurzlebig. Wir neigen aber dazu, die Konsequenzen eines Fehlers für unser weiteres Leben zu überschätzen. Insbesondere, wenn wir unsere eigene Bedeutung überschätzen. Je wichtiger ich mich nehme, desto mehr Gewicht messe ich meinem Handeln bei, und damit auch den Konsequenzen meines Handelns. Diese Haltung kann sich zu Perfektionismus auswachsen und uns lähmen. Hinter Perfektionismus steht häufig die Angst vor sozialer Beurteilung und / oder schmerzhafter Selbsterkenntnis. 

Angst vor sozialer Beurteilung dreht sich darum, was andere über mich denken oder sagen könnten. Menschen, die Angst davor haben, was andere über sie denken, haben in Wahrheit Angst davor, dass all die schlechten Dinge, die sie über sich selbst denken, von anderen gespiegelt und bestätigt werden.

Die Angst vor schmerzhafter Selbsterkenntnis geht einher mit ausbleibender ehrlicher Selbstwahrnehmung – wir lassen uns selbst im Unklaren über die Grenzen unserer Fähigkeiten, um das eigene Selbstbild zu schützen. Dadurch gehen wir Herausforderungen entweder a) garnicht erst an, b) nur halbherzig an, um ein mögliches Scheitern nachträglich rechtfertigen zu können, oder c) bringen kein Vorhaben zu Ende – und bleiben stets hinter unseren Möglichkeiten zurück.

Durch die Angst davor, um unserer eigenen Interessen und Bedürfnisse willen Risiken einzugehen und Fehler zu machen, stehen wir selbst jeder Form von Entwicklung im Wege und sind dazu verurteilt, uns fortwährend zu wiederholen.

Die Angst vor Fehlern ist verständlich und besonders begründet unter lebensbedrohlichen Umständen – die es ohne Frage gibt. Im Alltag fallen die meisten Fehler jedoch nicht in diese Kategorie, sondern sind wie die meisten Ereignisse unseres alltäglichen Lebens – sehr gewöhnlich. 

2.2.2.1. Was Fehler eigentlich sind: neue Informationen

Nüchtern gesprochen ist ein Fehler eine Entscheidung mit einem ungewünschten, unerwarteten oder abweichenden Ergebnis. 

Im Alltag ist es häufig so: es präsentiert sich uns eine Herausforderung, eine neuartige, ungewisse Situation mit vielen verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten, deren Konsequenzen sich nur schwer im Vorfeld kalkulieren lassen. Dann entscheiden wir uns – unter oft ungünstigen Bedingungen und auf Basis begrenzter und widersprüchlicher Informationen – für eine dieser Möglichkeiten, deren Konsequenz, wie wir anschließend feststellen, nicht dem ursprünglich gewünschten Ergebnis entspricht. 

Dennoch ist es ein Schritt nach vorne, denn wir gewinnen neue Informationen, die uns helfen, in Zukunft eine informiertere Entscheidung zu treffen. 

Ausserdem, nur weil wir uns ein bestimmtes Ergebnis wünschen, bedeutet das nicht, dass es auch ein wünschens-wertes Ergebnis ist.

Wenn wir persönliche Entscheidungen treffen, wissen wir oft gar nicht, was wir genau wollen, was gut für uns ist oder was uns glücklich machen wird. Dieses Phänomen nennen Psychologen „affektive Vorhersagen“ (affective forecasting) – die Schwierigkeit, zutreffende Vorhersagen über emotionale Reaktionen auf zukünftige Ereignisse zu machen. 

Wenn wir auf ein ungewünscht eingetretenes Ergebnis schauen, wie können wir so sicher sein, dass es ein schlechtes ist? Wir wissen mit Sicherheit nur, was wir in dem Moment fühlen, und das sagt uns nicht sehr viel über seine zukünftige Bedeutsamkeit. Die Rolling Stones haben daher in (mindestens) einer Sache recht: „you can’t always get what you want, but … sometimes you might find: you get what you need“.

„Aus Fehlern lernt man“ heisst es, was bedeutet, man lernt aus unerwarteten und abweichenden Ergebnissen. Überhaupt lernen wir vor allem dann, wenn etwas Unerwartetes geschieht. Solange es keine große Abweichung zwischen unserer Erwartung und dem tatsächlichen Erleben gibt – was wir als „Routine“ kennen – arbeitet unser Gehirn praktisch auf Autopilot. Das ändert sich erst, wenn ein Hindernis oder etwas Unvorhergesehenes auftaucht. Diesem Ereignis wendet sich dann die bewusste Aufmerksamkeit zu, es werden kreative Lösungen für neue Probleme angeregt und dem Erfahrungsschatz beigefügt.

Ein wichtiger Aspekt für die Entwicklung gesunden Selbstbewusstseins ist daher, sich pro-aktiv dem Unbekannten zu stellen, um auf diese Weise neue Informationen zu erhalten und seine Handlungsfähigkeit zu verbessern.

2.2.2.2. Was tun wir, wenn wir einen Fehler begangen haben?

Wir übernehmen die Verantwortung und sogleich das Ruder: sofort anerkennen, eingestehen, korrigieren und aus ihm lernen.

2.2.3. Leichtherzige Experimente: Versuch & Irrtum

Wenn der pro-aktive Umgang mit Fehlern so wertvoll ist, wie können wir uns diese Erkenntnis praktisch zunutze machen? 

Ein Schritt besteht darin, Fehlerfreundlichkeit zu entwickeln und Referenzerfahrungen zu sammeln auf der Basis von Versuch und Irrtum. Wir führen leichtherzige, risikoarme Experimente durch, um neue Informationen zu alten Annahmen zu erhalten und einschränkende Glaubenssätze zu überprüfen.

„Ich kann nicht.“ „Ich darf nicht.“ „Der hält mich bestimmt für bescheuert.“ „Die mag mich nicht.“ – wir verwandeln diese Aussagen in Hypothesen und Fragen, die wir durch pro-aktives Handeln im Rahmen leichtherziger Experimente ergründen. Kann ich das wirklich nicht? Ist die Sache wirklich so, wie ich denke? Wird man mir wirklich den Kopf abreissen, wenn ich um etwas bitte, „Nein“ sage oder ehrlich meine Meinung ausdrücke? Kollege XY ist morgens immer abweisend zu mir. Hat er etwas gegen mich? Die wahrscheinliche Antwort lautet: Nein. Er ist morgens genervt, weil a) es zur Zeit ein riesen Theater ist, die Kinder zu Schule zu bringen, oder b) sein Kaffeevollautomat verkalkt ist oder c)… . Es gibt viele mögliche Erklärungen für das Verhalten eines anderen Menschen, die meisten haben nichts mit dir zu tun (und übrigens auch nicht mit seinem Charakter – sog. Attributionsfehler). 

Es geht bei den leichtherzigen Experimenten darum, bewusst und willentlich einen Schritt in unbekanntes Gebiet zu gehen, sich mit dem Gefühl der Unsicherheit vertraut zu machen ohne gleich reflexartig in alte Muster zu verfallen, und dadurch neue Informationen über uns, andere und den Zustand der Welt zu gewinnen. Unsere Grundhaltung dabei ist leicht und spielerisch.

Für diese kleinen, leichtherzigen Experimente ist unsere Angst ein guter Wegweiser. Häufig weist sie in die Richtung, in die wir gehen sollten (gilt nicht bei steilen Klippen – dies fällt nach meiner Auffassung auch nicht unter „klein und leichtherzig“). Und das zeigt die klinische Literatur: wenn ich mich schrittweise, willentlich und bewusst einer Sache stelle, die mich ängstigt, werde ich stärker. Der entscheidende Punkt hier ist willentlich und bewusst. Denn damit rekrutiere ich den Teil meines Nervensystems, der mit Annäherungsverhalten und Herausforderungen einhergeht.

2.3. Warum lege ich so viel Wert auf diese Art von Machen, Ausprobieren und Überprüfen? 

Weil ich erlebe, dass wir in einer sehr kopflastigen Zeit die Erkenntnisquelle praktischer, körperlicher Erfahrung in Form explorativen Handelns verlernen. Wir sind so sehr in unserem Kopf, dass wir ständig in Gedanken kreisen, die uns vereinnahmen, einengen und uns davon abhalten zu tun, was wir gerne tun wollen und was uns wichtig ist. Wir analysieren solange, bis wir wie gelähmt sind. Diese Analyse-Paralyse blockiert unsere Entwicklung und macht uns unsicher. Unser Denken ist ein Werkzeug. Aber es kann ein Eigenleben entwickeln und Auswüchse annehmen, die krank machen. „Der Verstand ist ein treuer Diener, aber ein schlechter Gebieter“ hat mal jemand so oder ähnlich gesagt.

3. Zusammenfassung 

Gesundes Selbstbewusstsein beruht auf ehrlicher Selbstwahrnehmung und Auswertung relevanter, wertvoller Erfahrungen. Wertwolle Erfahrungen sammelst du nicht in der Routine, sondern im Unbekannten. Du hast ein Recht darauf, um deiner eigenen Interessen und Entwicklung willen Risiken einzugehen und Fehler zu machen. Mach keine dummen Fehler, sondern Fehler nach bestem Wissen. Fehler nach bestem Wissen und Gewissen sind Kurven auf dem richtigen Weg.

Photo by Emily Reider on unsplash

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