Christian Brünger

Christian Brünger

Selbst-Respekt stärken: eine bessere Beziehung zu uns selbst entwickeln

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1. Akzeptanz

1.1. Grundannahme: Wir handeln mit maximaler Kapazität

1.2. Widerstand aufgeben für kooperative Verhandlungen

2. Verantwortung übernehmen: Handlungsfähigkeit erkennen

2.1.Opfer-Mentalität erkennen und ablegen

2.1.1.Einfluss-Bereich ausfüllen und gestalten

3. Innere Wertschätzung

3.1. Was schätzt du wert? Konstruktive Wert-Maßstäbe

3.1.1. Gute Werte definieren

3.2. Den richtigen Vergleichspunkt finden

3.3. Innerer Dialog

4. Zusammenfassung

Es heißt „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Dahinter steht die Annahme, dass Menschen im Allgemeinen selbstbezogen sind und den eigenen Vorteil zu Lasten anderer suchen. Auch wenn diese Ausprägung verbreitet vorkommen mag, deckt sie sich nur teilweise mit meiner persönlichen Wahrnehmung, die ich im Laufe der Arbeit mit vielen Klienten gewonnen habe. 

Vielen Menschen fällt es oft leichter, anderen Liebe, Respekt und Wertschätzung entgegenzubringen, als sich selbst.

  • Sie stellen Ansprüche an sich, die sie an keinen anderen stellen würden.
  • Machen sich Vorwürfe, wie sie sie keinem anderen machen würden.
  • Gehen mit sich ins Gericht, wie sie mit keinem anderen ins Gericht gehen würden.
  • Sie sind unbarmherzig, unerbittlich und nachtragend und finden keinen Weg, sich zu vergeben. 

Oft tun wir uns damit selbst unrecht. Dann sind wir selbst verantwortlich, uns zu vergeben, keiner kann das für uns tun. Darin liegt eine Schwierigkeit.

Dass es uns oft schwer fällt, uns selbst zu respektieren und wertzuschätzen, kann viele Gründe haben. Vielleicht kennen wir uns gut und wissen, wie es hinterm Vorhang aussieht, und vor allem unsere Schwächen und Fehler sind uns nur all zu bewusst.

Gute Schritte auf dem Weg zu mehr Selbstrespekt sind daher, sich mit all seinen (unliebsamen) Anteilen auszusöhnen und anzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und ein inneres Wertesystem zu etablieren, dass uns stärkt und nicht zersetzt.

  1. Akzeptanz

Akzeptanz bedeutet, die eigenen Stärken und insbesondere Unvollkommenheiten anzuerkennen.

1.1. Grundannahme: Wir handeln mit maximaler Kapazität

Ich habe eine Grundannahme: Wir alle versuchen zu jeder Zeit unser Bestes, im Rahmen unserer jeweiligen Möglichkeiten. Vielleicht fühlen wir uns schuldig oder beschämt ob mancher Dinge, die wir in der Vergangenheit getan oder nicht getan haben. Machen wir uns bewusst, dass wir sehr wahrscheinlich versucht haben, im Rahmen unserer damaligen Möglichkeiten unser Bestes zu tun. 

In der Rückschau ist es leicht zu erkennen, wie eindeutig falsch wir gelegen haben und zu sagen „aber klar, wie konnte ich bloß! hätte ich bloß!“. Aber das ist kein valides Vorgehen und nicht fair unserem früheren Ich gegenüber. Wir sollten ihm nicht derart in den Rücken fallen. Wir begreifen das Leben oft erst in der Rückschau, aber leben müssen wir es vorwärts, hat so oder ähnlich Kierkegaard gesagt.

1.2. Widerstand aufgeben für kooperative Verhandlungen

Ein zweiter Aspekt der Akzeptanz: wenn wir beginnen, uns mitsamt unseren Unvollkommenheiten anzunehmen, leben wir nicht mehr im Widerstand. 

Stell dir vor, du stemmst dich mit ausgestreckten Armen und aller Kraft gegen einen großen, schweren Menschen, um ihn von dir wegzuschieben. Nimm ruhig einmal diese Körperhaltung ein. Was stellst du fest? Das Wegschieben kostet viel Energie, fixiert dich in deiner Haltung und bindet deinen gesamten Fokus. Du nimmst nicht mehr wahr, was um dich herum noch geschieht und bist wie im Tunnel. 

Wenn wir innehalten und den Widerstand aufgeben, entspannt sich unsere Muskulatur, wir werden flexibler und wieder handlungsfähig. Unser Blick ist nicht mehr nur auf diese eine Sache beschränkt, sondern weitet sich. Indem wir den Widerstand aufgeben, eröffnen wir Möglichkeiten, mit unseren unliebsamen Anteilen in kooperative Verhandlungen zu treten, sie zu verstehen und schließlich zu integrieren.

  1. Verantwortung übernehmen: Handlungsfähigkeit erkennen

„Verantwortung übernehmen“ ist weithin negativ besetzt. Wenn man zu uns als junger Mensch von „Verantwortung“ gesprochen hat, dann nicht selten mit erhobenem Zeigefinger. Dadurch ist Verantwortung für viele zum Synonym für unliebsame Verpflichtung und Unfreiheit geworden. Freiheit und Verantwortung sind aber zwei Seiten der selben Medaille, und das Maß an selbst auferlegter Verantwortung bestimmt die wahrgenommen Qualität und Bedeutsamkeit unseres Lebens. 

Es beginnt mit uns. In dem wir mehr Verantwortung für uns selbst und unsere Situation übernehmen, legen wir Hand an das Ruder unseres Schicksals. Wir sind nicht bloß Getriebene äußerer Umstände, sondern Gestalter. Wir fangen an, uns ernster zu nehmen. 

2.1. Opfer-Mentalität erkennen und ablegen

Wie ist das, wenn wir uns davor drücken, Verantwortung zu übernehmen? Bspw. fällt es uns vielleicht schwer, unseren eigenen Beitrag an einer misslichen Situation anzuerkennen. 

Stattdessen geben wir die Verantwortung ab und schieben unsere schlechte Lage oder Laune  auf das, was andere getan haben. Wir fokussieren uns darauf, was uns an-getan wurde. Wir sind Spielball der Umstände und äußerer Einflüsse. Das ist eine passive, reaktive Haltung, die Fremdbestimmung und große emotionale Abhängigkeit ausdrückt. Auf Dauer wird sie dazu führen, dass wir verbittert und nachtragend werden und nicht zuletzt unsere Selbstachtung verlieren. 

Diese Haltung entspricht eine Opfer-Mentalität, die massiv unser Gefühl untergräbt, Einfluss zu haben und gestalten zu können. Das Gefühl, ein bestimmtes Maß an Kontrolle zu haben und Gestalter seines Lebens zu sein, nennt man Selbstwirksamkeit. Es ist zentral für unsere psychische Gesundheit. 

Im Rahmen von Selbstrespekt geht es insbesondere darum, Verantwortung für sein emotionales Ökosystem zu übernehmen. Wenn wir emotional stark mit anderen mitschwingen, wenn wir jemand anderen brauchen, um uns gut zu fühlen und am Boden zerstört sind, wenn er uns das nicht gibt, sind wir abhängig und im wahrsten Sinne verantwortungslos.

Eine andere Person mag vielleicht Schuld sein daran, dass ich mich schlecht fühle, aber sie ist nie verantwortlich dafür. Für meinen Emotionshaushalt bin ich selbst verantwortlich und niemand sonst. Eleanor Roosevelt sagte einmal: „Niemand kann einem anderen ohne dessen eigene Zustimmung wehtun“. Die eigene Verantwortung, die wir nicht übernehmen, ist die Zustimmung, die wir anderen erteilen. 

Unsere Einwilligung in das, was uns widerfährt, verletzt uns mehr – vor allem auf lange Sicht -, als die Geschehnisse an sich.   

2.1.1. Einfluss-Bereich ausfüllen und gestalten

Wir können (und müssen) uns immer wieder bewusst machen: zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum, der unter unserer Kontrolle liegt. Wie wir die Welt sehen und was sie uns zeigt, hängt davon ab, wie wir diesen Raum gestalten. In diesem Raum liegen die Filter unserer Wahrnehmung und die Skripte für unser Handeln. Wir können entscheiden, wie wir eine Situation interpretieren und bewerten. Wir können lernen, bewusst zu handeln anstatt reflexartig. In diesem Raum gibt es so etwas wie einen Freien Willen, den wir trainieren und ausüben können, um unsere Filter besser einzustellen und unsere Skripte umzuschreiben.

  1. Innere Wertschätzung

3.1.Was schätzt du wert? Konstruktive Wert-Maßstäbe

Die entscheidende Frage hier lautet wörtlich: was schätzt du wert? Nach welchen Wert-Maßstäben beurteilst du dich selbst und andere, beurteilst, was ein Erfolg und ein Misserfolg ist? Unsere persönlichen Werte liegen allem zu Grunde, was wir tun. Sie bestimmen, was wir wahrnehmen (d.h. worauf wir fokussieren) und wie wir es wahrnehmen (d.h. welche Gedanken und Emotionen es auslöst). Was wir über eine beliebige Situation denken und fühlen hängt direkt davon ab, welchen Wert wir ihr beimessen, wie wir sie be-werten. 

Wenn das, was wir wert-schätzen, nicht hilfreich ist, wenn das, was wir für erstrebenswert, für Erfolg und Misserfolg halten, erbärmlich gewählt ist, dann sind alle Gedanken und Gefühle, die wir tagtäglich auf dieser Basis haben, abträglich für unsere psychische Gesundheit. 

Unsere persönlichen Werte sind von zentraler Bedeutung, denn sie bestimmen die Art unserer Probleme, und unsere Probleme bestimmen die Qualität unseres Lebens.

3.1.1.Gute Werte definieren

Die Regel ist einfach: schlechte Werte, schlechte Probleme – bessere Werte, bessere Probleme. Ein Leben ganz ohne Probleme steht nicht zur Auswahl, aber das ist ok und ohnehin nicht wünschenswert. Was also sind gute Werte?

Der Begriff „innere Wertschätzung“ bringt uns auf die richtige Spur. Gute Werte liegen im „Inneren“, das heißt, in unserem Einflussbereich und damit weitestgehend unter unsere eigenen Kontrolle. Schlechte Werte liegen im „Außen“, das heißt stehen nicht unter unserer eigenen Kontrolle, sondern sind stark abhängig von äußeren Umständen und anderen. 

Ein schlechter Wert ist bspw. Anerkennung. Anerkennung zu erfahren ist wichtig. Aber es ist ein Nebenprodukt, eine Konsequenz unseres aufrichtigen Handelns – nicht ein lohnendes Ziel in sich selbst. Denn Anerkennung bekommen wir von anderen. Wenn du die Anerkennung anderer brauchst, bist du ganz von ihnen abhängig. Und das wird sehr wahrscheinlich dein Verhalten in einer Weise beeinflussen, dass dir ihre Anerkennung nicht zuteil wird.

Ein anderer schlechter Wert ist „Beliebtheit“. Beliebtheit liegt im Äußeren, denn vieles davon ist nicht unter unserer Kontrolle, sondern hängt ab von anderen. Ausserdem entzieht sich dieser Wert völlig einer realitätsbasierten Überprüfung: vielleicht fühlst du dich beliebt oder unbeliebt, aber du hast keine Möglichkeit zu wissen, was jemand wirklich über dich denkt.

Menschen, die sich nur wertvoll fühlen, wenn sie das Gefühl haben, beliebt zu sein – und deren Ziel wohlmöglich ist, dass alle sie lieb haben – befinden sich in großer emotionaler Abhängigkeit. Indem ihr Selbstwert auf den Gefühlen und dem Verhalten anderer gründet, ist er permanent bedroht. Sie sind verunsichert und wahrscheinlich werden sie mit der Zeit, in dem Versuch, Sicherheit zu erlangen, ein Fähnlein im Wind und ein Erwartungs-Manager werden: sie erniedrigen sich selbst, damit andere sich besser fühlen, sind Ja-Sager, spekulieren auf das Verhalten anderer und passen ihr eigenes Verhalten daran an, wodurch sie im Grunde hoch manipulativ sind. Auch andere nehmen an ihnen eine Zwiespältigkeit wahr und das untergräbt jede echte Vertrauensbasis.

Gute Werte sind also solche, die 1. in deinem Einflussbereich liegen und die du 2. klar überprüfen kannst dahingehend, wo du derzeit stehst und inwiefern du ihnen gerecht wirst. Da wir Menschen keine Inseln sind, sind gute Werte 3. immer gut für dich UND andere. Gute Werte sind bspw. Ehrlichkeit, Selbstrespekt, für andere einstehen, Neugier, Mut und Großzügigkeit.

Zusammenfassend: Innere Wertschätzung bedeutet – und verstärkt sich dadurch -, dass wir gute Werte priorisieren und unser Möglichstes tun, diese Werte in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen.

3.2. Den richtigen Vergleichspunkt finden

Ein weiterer, wichtiger Aspekt für die eigene Wertschätzung: wähle den richtigen Vergleichspunkt. 

Wenn unsere Werte im Äußeren liegen, wenn wir in Abhängigkeit leben, wenn unser Denken auf einer Opfer- und Mangel-Mentalität beruht, dann sind wir mehr bei anderen als bei uns selbst. Wir schielen auf das, was andere machen, sind und haben. Durch unsere getrübte Linse fokussieren wir selektiv darauf, was bei „denen“ gut läuft und vergleichen das mit allem, was wir bei uns negativ wahrnehmen. So ziehen wir beim Vergleich mit anderen immer den Kürzeren und Neid und Verbitterung verstärken weiter den eigenen wahrgenommenen Mangel.

Doch dieser Vergleich ist unzulässig aus mehreren Gründen, vor allem ist er fragmentarisch und unausgewogen.

Ein besserer und relevanterer Vergleich stellt unsere eigene Entwicklung in den Mittelpunkt.

Konkret bedeutet das: vergleiche dich mit dem, der du gestern und letzte Woche warst. Das ist die zielführende Einschätzung davon, wo du heute stehst und wie du dich weiter entwickeln kannst.

3.3. Innerer Dialog

Der innere Dialog spielt für Selbstrespekt und innere Wertschätzung ebenfalls eine wichtige Rolle. Es ist die Stimme bzw. die Sprache, in der wir zu uns selbst und über uns selbst sprechen. Dieser innere Dialog ist entweder reaktiv, abwertend und fixierend oder pro-aktiv, bejahend und wachstumsorientiert. 

Es gibt ein Sprichwort, das den inneren Dialog gut beschreibt und zugleich einen konstruktiven Umgang aufzeigt. Sinngemäß lautet es: „Ich habe zwei Hunde in meinem Kopf, die ständig streiten. Der eine will mir Gutes. Der andere will mich fertig machen. Du fragst, wer von den beiden gewinnt? Der, den ich am meisten füttere.“

Zusammenfassung

Wie kannst du hier und heute beginnen, deinen Selbstrespekt zu stärken? Es reicht eine einzige Sache. Behandle dich wie jemanden, der dir am Herzen liegt.

Photo by Miguel Bruna on unsplash

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