Dein Potenzial
auf Heldenreise

 

Unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten bewusst wahrzunehmen und beständig zu erweitern, bildet die Basis von Selbstvertrauen und bestimmt unser persönliches und berufliches Gelingen. Das heisst, mit jedem Jahr mehr von uns zu sein – nicht bloß eine ältere Version, sondern eine wahrere, freiere, farbenfrohere – ist nicht nur bereichernd, sondern notwendig für unser Wohlbefinden. Oft sehen wir aber, dass sich Menschen Jahr für Jahr wiederholen anstatt sich weiter zu entwickeln. 

Was hält uns davon ab, unser Potenzial zu entdecken und zu leben? Uns fallen gleich viele Gründe und Umstände ein. „Mein Job / Partner / Hamster / Kreditrahmen lässt das nicht zu“. Anschliessend legen wir inbrünstig vage Willensbekundungen nach und tröstliche Visionen eilen uns zu Hilfe: „Wenn ich die nächste Beförderung erhalten habe / die Kinder aus dem Haus sind / das Auto abbezahlt ist, dann…“ . Meistens reicht das aus, um uns fürs Erste wieder wohl genug zu fühlen und weiter nichts zu tun.

Vielleicht aber spüren wir manchmal, dass wir uns scheuen zu entdecken, was möglich ist und zu was wir fähig wären. Denn wenn wir es einmal wissen, müssten wir vielleicht danach handeln. Das hieße, Verantwortung übernehmen. Und das hieße, sichtbar werden, für etwas stehen, vielleicht auch die bequeme Illusion und „Freiheit“ aufgeben, dass es eh keinen Unterschied mache, was wir als einzelne in dieser Welt tun. Übernehmen wir Verantwortung für uns, bekennen wir Farbe, dann machen wir einen Unterschied – und sind automatisch auch anderen Ansichten, den Elementen und dem Unbekannten ausgesetzt. Und das ist nicht immer gemütlich. Aber wer sagt, dass „gemütlich“ ideal ist? Sich zu ducken ist auf Dauer auch eine unbequeme Haltung. Wir sind in dieser Welt, um unser wahres Potenzial zu entdecken und kultivieren.

Was aber ist eigentlich Potenzial? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Potenzial ist etwas, das nicht da ist, von dem wir aber immer so sprechen, als wäre es etwas Handfestes. Vielleicht können wir Potenzial so betrachten: Potenzial ist die Art und Weise, wie du mit der Welt interagieren könntest, sodass du am meisten Informationen gewinnst. Das bedeutet praktisch, unser gewohntes Terrain zu verlassen und unbekanntes Gebiet zu erforschen. Dahinter steckt ein uralter Gedanke. Wir finden ihn als roten Faden in Mythen und Märchen, die seit Jahrtausenden und über alle Gesellschaften hinweg tradiert werden, genauso wie in zeitgenössischen Geschichten und Filmen – von „König der Löwen“ über „Harry Potter“ bis hin zu „Herr der Ringe“. Dabei geht es zumeist um einen einfachen oder auch unbeholfenen Helden, der nach anfänglicher Verweigerung dem Ruf des Schicksals folgt, sich widerwillig auf den Weg macht, auf seiner Reise eine Reihe von Abenteuern und Herausforderungen besteht und sich dadurch zu jemandem entwickelt, der handlungsfähig, kompetent und anderen hilfreich ist.

Dies entspricht dem klassischen Heldenmythos: geh dahin, wo noch niemand war, stell dich dem Schrecken des Unbekannten, erfahre oder erhalte etwas von Wert und kehre zurück zu deinem Ursprung. Es ist eine der zentralen Geschichten der Menschheit. Die Heldenreise ist auch ein wichtiges Konzept in der klinischen Psychologie. Dahinter steht die Idee, dass wir etwas lernen, indem wir uns willentlich dem aussetzen, was wir vermeiden und was uns ängstigt. Die Heldenreise beschreibt also einen Weg für unsere persönliche Entwicklung und die Verwirklichung unseres Potenzials. Potenzial ist aber nicht nur ein mythologisches oder psychologisches Konzept. Es manifestiert sich nicht allein durch den Erwerb von Informationen und Erfahrungen. Tatsächlich reicht es noch viel tiefer, nämlich bis auf die Ebene unserer Zellen und Gene. Wenn wir uns in unbekannte Gebiete vorwagen und dadurch unterschiedlichen physiologischen Anforderungen aussetzen, werden neue Gene angeschaltet. Auch im Gehirn werden unterschiedliche Schaltkreise involviert und neue Verbindungen zwischen Neuronen geschaffen. Und das bringt neue Elemente von uns selbst hervor. Wir sind also voll biologischem Potenzial, das nicht eher realisiert wird, bis wir uns neuartigen Eindrücken aussetzen und auf unbekannten (Um-)Wegen die Welt entdecken. Sicher, es erfordert etwas Mut und Risikobereitschaft, den gewohnten Trott zu verlassen. Aber das gilt auch für die Alternative: die nächsten 20 Jahre in einer Dauerschleife zu verbringen, an deren Ende wir die Substanz eines trüben Schluck Wassers in der Kurve haben (auch eine physiologisch recht akkurate Zustandsbeschreibung).

„Du fragst mich, was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich, Arthur.“ Das antwortete der österreichische Schriftsteller Arthur Schnitzler seinem französischen Freund und Kollegen Arthur Rimbaud. „Wild und gefährlich“ fühlt sich dabei für jeden anders an und jede Heldenreise ist einzigartig. Wir müssen uns nicht gleich mit nur einer Streichholzschachtel im Regenwald aussetzen lassen. Was also können wir tun, hier und heute, in ersten kleinen Schritten?

Denke, sprich, kleide dich, atme, handle, esse, gehe, lese, maile „wagemutig“.

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