Kummer-Hummer
oder rockstar-lobster

 

Als ich ein Kind war, machten wir Familienurlaub auf einer Insel im Ärmelkanal. Dort begegnete ich zum ersten Mal dem englischen Wort „lobster“, zu Deutsch „Hummer“. Damals fand ich das Wort lobster sehr lustig und auch heute lässt es mich schmunzeln ich wenn ich es höre oder ausspreche. Man kann also sagen, ich habe seit langem ein gewisses Interesse am Hummer (kein kulinarisches wohlgemerkt) und Berichte über den Hummer erregen meine besondere Aufmerksamkeit. Dabei stellt sich manchmal auch psychologisch Interessantes heraus.

Hummer leben, wie viele andere Lebewesen auch, in Hierarchien und kämpfen um ihren Platz in der (Unterwasser-)Welt. Ihr Verhalten bzgl. Dominanz und Unterwerfung wird beeinflusst durch Serotonin, ein Botenstoff, der auch für unser Verhalten und Gemüt eine wichtige Rolle spielt (bswp. werden bestimmte Antidepressiva eingesetzt, um auf das zur Verfügung stehende Serotonin einzuwirken). Bei Niederlagen sinkt der Serotoninspiegel des Hummers, was sich auch in seiner Körperhaltung ausdrückt. Der Kummer-Hummer sackt in sich zusammen und macht sich kleiner, was die Wahrscheinlichkeit verringert, dass er den nächsten Kampf gewinnt. Es erhöht dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass er von anderen Hummern herausgepickt wird, die ihm das Leben weiter schwer machen. Er zieht sich zurück und befindet sich in einer fortlaufenden Abwärtsspirale.
Das Gegenteil trifft aber auch zu. Mit jedem Sieg steigt der Serotoninspiegel des Hummers, er richtet sich auf und macht sich größer und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, auch den nächsten Kampf zu gewinnen in einer fortlaufenden Aufwärtsspirale. Zudem ist er auch bei Rückschlägen besser aufgestellt. So erzählt die Körperhaltung des Hummers die Geschichte seiner Siege.

Uns geht es in mancherlei Hinsicht ähnlich. Sind wir gut drauf, gehen wir aufrecht, sind wir „niedergeschlagen“, drückt sich das auch deutlich in unserer Körpersprache aus. Die gute Nachricht ist: so wie das, was wir denken und fühlen, unseren Körperzustand beeinflusst, so können wir unser Denken und Fühlen beeinflussen durch die Veränderung unseres Körperzustandes. Indem wir uns z.B. so verhalten, als fühlten wir uns gut, schüttet unser Gehirn nach einer Weile die feel-good-Botenstoffe aus, die zu diesem Verhalten passen. Die Wechselwirkung zwischen unseren Körper- und Gemütszuständen wird in der Psychologie übrigens unter dem Begriff „Embodiment“ erforscht.

Wo wir auch stehen, ein Einstieg in die Aufwärtsspirale gelingt schon über die Körperhaltung. Wie der rockstar-lobster – Kopf hoch, Brust raus, Schultern zurück – und lächeln.

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